Schneetanz für Sirenen

Performance JIB/Gleis 22, Münster, 27.03.1992, 24:00 Uhr

„... allein ihr Verstand blieb völlig wie vormals.“ Homer Odyssee

Schneetanz

Notiz zur Vorrede für Schneetanz für Sirenen:

Sirenen – die meisten von Ihnen kennen sie sicher in Form von Alarmanlagen – Feuerlarm, Bombenalarm, Polizeisirenen... – viel älter jedoch, und ein gewisser Zusammenhang besteht, sind die Sirenen, die in der griechischen Mythologie als Wesen der Unterwelt mit übermenschlichem Wissen und der Gabe das Wetter zu ändern beschrieben werden. Der Volksglaube sah in ihnen die Verkörperung der Seelen Verstorbener. Das Besondere an ihnen ist jedoch ihr Gesang, weshalb sie auch oft mit den Musen verglichen werden.
Mich interessiert bei der folgenden Aktion weniger ihr Gesang, als vielmehr die Wohnstätten bzw. Orte, an denen sie sich aufgehalten haben sollen. In literarischen Beschreibungen wohnen Sirenen auf Inseln und locken vorbeifahrende Schiffer durch ihren süßen Gesang, die deshalb an den Klippen scheitern und umkommen. Um dem zu entgehen, so schreibt Homer, verstopfte Odysseus seinen Gefährten die Ohren mit Wachs und ließ sich selbst an den Mast binden – er wurde von Kirke, einer Zauberin, die auf der Insel Ustica wohnte, vorgewarnt. Sie gab ihm noch weitere Ratschläge auf seine Reise in die Unterwelt, von der die Insel der Sirenen eine von insgesamt vier Stationen war, Kirke mit eingeschlossen.
Wenn man diese Reise auf der Landkarte nachvollzieht, ergibt der Weg eine kreisförmige Bewegung – diese Situation greife ich draußen auf der Straße wieder auf und lade Sie hiermit zum Schneetanz für Sirenen ein.

Im Verlauf der Performance zuckerte ich die vier Verkehrsinseln der Kreuzung: Von Steubenstraße - Hafenstraße - F. Vendtstraße - Hafenstraße ein.

Schneetanz
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